Ein Glas Öküzgözü oder Narince kostet in Lokalen rund um Galata und Cihangir zwischen 220 und 350 Lira. In der Solera Winery in Beyoğlu zahlte ich neulich 260 Lira für ein Glas Kalecik Karası, stand aber um 20 Uhr eine halbe Stunde an. Wenn Sie dort keinen Platz bekommen, nehmen Sie die Fähre nach Kadıköy zu Viktor Levi in Moda, wo der Innenhof meist freie Tische bietet. Wegen der türkischen Sondersteuer ÖTV kosten Flaschen im Lokal oft das Dreifache des Ladenpreises. Der folgende Überblick zeigt, ab welcher Schwelle sich eine Flasche gegenüber dem Tekel-Kiosk rechnet, wie Sie zwischen Sorten wie Boğazkere oder Emir wählen und welche Käsesorten statt Knoblauch-Meze dazu passen.
An einem Dienstagabend um 19:15 Uhr an der Yeni Çarşı Caddesi im Viertel Tomtom reicht der Platz in der Solera Winery selten für spontane Gäste. Wer ohne Reservierung kommt, wartet auf dem schmalen Gehsteig, während Inhaber Süleyman ein erstes Glas Öküzgözü für 400 TL (8 EUR) über den Holztresen reicht. Neben den bekannten Rakı-Tafeln und Çay-Gärten am Bosporus gibt es in den steilen Gassen von Beyoğlu sowie rund um die Moda Caddesi in Kadıköy eine eigenständige Weinszene, die auf autochthone anatolische Rebsorten setzt.
Auf den handgeschriebenen Tafeln stehen Trauben mit langer Anbautradition: die tanninbetonte Boğazkere aus Diyarbakır, die fruchtige Kalecik Karası aus Zentralanatolien oder die strukturierte Narince aus Tokat. Das Bestellen verlangt etwas Marktkenntnis. Weil die türkische Sonderverbrauchsteuer auf Alkohol Flaschenweine in regulären Speiserestaurants oft auf über 2.000 TL (40 EUR) verteuert, lohnt sich der gezielte Gang in spezialisierte Weinbars. Dort erhalten Sie offene Gläser unabhängiger Kleinwinzer für 350 TL bis 500 TL (7 EUR bis 10 EUR), serviert mit gereiftem Ezine-Käse oder kalten Meze.
Ein häufiger Fehler besteht darin, Beyoğlu und Kadıköy an einem einzigen Abend verbinden zu wollen. Die Fährüberfahrt zwischen Karaköy und Kadıköy sowie die Anbindung über die Metro Marmaray funktionieren zuverlässig, doch der Seitenwechsel zerschneidet den Abend. Planen Sie mindestens zweieinhalb Stunden für ein einziges Quartier ein. In Beyoğlu bewegen Sie sich fußläufig zwischen historischen Steingebäuden und dichter Barkultur, während Sie auf der asiatischen Seite in Kadıköy ein Nachbarschaftspublikum ohne touristische Preisaufschläge vorfinden.
Anatolische Rebsorten von Öküzgözü bis Narince verstehen
Anatolien besitzt über achthundert autochthone Rebsorten, von denen rund dreißig für die moderne Vinifikation genutzt werden. Die beiden maßgeblichen roten Trauben Ostanatoliens bilden das Rückgrat der Weinkarten in Beyoğlu und Kadıköy: Öküzgözü und Boğazkere. Öküzgözü stammt aus den kontinental geprägten Hochebenen rund um Elazığ am oberen Euphrat. Die Beere zeichnet sich durch eine ausgeprägte Fruchtsäure, weiche Gerbstoffe und Aromen von Sauerkirsche, Granatapfel sowie Eukalyptus aus. Boğazkere, beheimatet auf den kargen Basaltböden von Diyarbakır, zeichnet sich durch massive Gerbstoffstrukturen, dunkle Waldbeeren, getrocknete Feigen und markante Tabaknoten aus. Sein Name bedeutet wörtlich Rachendrücker, was die adstringierende Wirkung junger Jahrgänge beschreibt. Beide Trauben werden traditionell als Verschnitt kombiniert, da die Säure des Öküzgözü die Dichte des Boğazkere abfedert. Anatolische Rotweine weisen durch die intensive Sonneneinstrahlung meist Alkoholwerte zwischen 13,5 und 14,5 Volumenprozent auf. Als leichtere Alternative finden Sie den Kalecik Karası aus Zentralanatolien, der mit Aromen von Himbeeren und feiner Textur geschmacklich an Pinot Noir erinnert.

Bei den Weißweinen dominieren zwei einheimische Rebsorten die Qualitätsbetriebe. Narince wächst vor allem auf den Schwemmlandböden entlang des Flusses Yeşilırmak in Tokat. Die Sorte liefert Weine mit Noten von weißem Pfirsich, Zitrusblüten und einer runden Textur, die sich auch für den Ausbau im Barrique eignet. Dagegen gedeiht die Traube Emir fast ausschließlich auf den vulkanischen Tuffböden in Kappadokien in Lagen zwischen 900 und 1.200 Metern Höhe. Winzer verzichten bei Emir auf den biologischen Säureabbau und den Holzeinsatz, wodurch der Wein eine stahlige Mineralität, Noten von grünem Apfel und eine prägnante Frische behält. Türkischer Wein aus diesen Trauben bietet ein eigenständiges Geschmacksbild abseits internationaler Standardprofile.
| Rebsorte | Herkunftsregion | Geschmacksprofil | Typischer Alkoholgehalt |
|---|---|---|---|
| Öküzgözü | Elazığ | Sauerkirsche, Granatapfel, frische Fruchtsäure | 13,0–14,0 % vol. |
| Boğazkere | Diyarbakır | Brombeere, Zeder, kräftige Gerbstoffe | 13,5–14,5 % vol. |
| Kalecik Karası | Zentralanatolien | Himbeere, Walderdbeere, feines Tannin | 12,5–13,5 % vol. |
| Narince | Tokat | Birne, weißer Pfirsich, florale Noten | 12,5–13,5 % vol. |
| Emir | Kappadokien | Grüner Apfel, Limette, ausgeprägte Mineralik | 12,0–13,0 % vol. |
Praxistipp: Wenn Sie in einer Weinbar wie Wayana in Kadıköy oder Solera in Beyoğlu sitzen, bestellen Sie vor einer Flasche zunächst ein Verkostungsglas. Ich habe bei reinsortigem Boğazkere aus kleinen Weingütern Jahrgänge im Glas gehabt, die ohne eine Stunde im Dekanter kaum zugänglich waren. Ein Glas offener Öküzgözü-Wein kostet in diesen Lokalen zwischen 280 TL (5,60 EUR) und 420 TL (8,40 EUR).
Weinkeller und Lokale rund um Galata und Cihangir in Beyoğlu
Die steilen Kopfsteinpflastergassen zwischen der Metrostation Şişhane und dem Bosporusufer konzentrieren die dichteste Auswahl an Fachlokalen für türkische Weine auf der europäischen Seite. Wenige Schritte unterhalb des Galataturms liegt die Sensus Wine Bar in der Straße Büyük Hendek Caddesi No: 5. Der gewölbeartige Gastraum ist Weinhandlung und Degustationskeller zugleich. Der Betrieb führt Flaschen von über dreißig kleineren Weingütern aus Thrakien, Kappadokien und der Ägäisregion abseits der industriellen Großkellereien. Für eine gezielte Verkostung bestellen Gäste strukturierte Probiersets mit drei oder vier Gläsern à 75 Milliliter. Ein Einsteigerglas einheimischer Rebsorten beginnt bei 320 TL (6,40 EUR), während lagerfähige Jahrgänge bis zu 480 TL (9,60 EUR) kosten. Dazu serviert die Küche regionale Käseteller mit Kars Gravyer und gereiftem Tulum für 950 TL (19 EUR).
Eine persönliche Anekdote aus der Solera Winery: Als ich an einem regnerischen Donnerstag um genau 18:50 Uhr vor der Tür stand, warteten bereits acht Personen auf dem Gehsteig. Statt umzukehren, blieb ich zwanzig Minuten stehen, bis an der Ecke des Tresens zwei Plätze frei wurden. Süleyman reichte mir direkt ein Glas gekühlten Narince von einem kleinen Weingut aus Tokat für 320 TL – um 19:30 Uhr war die Schlange draußen bereits auf fünfzehn Personen angewachsen, und Gäste ohne Reservierung wurden ausnahmslos abgewiesen.
Praxistipp: In der Solera Winery frage ich nie nach der Weinkarte, sondern nenne Süleyman lediglich meine bevorzugte Rebsorte und das Budget. Seine offenen Empfehlungen aus kleineren Thrakien-Weingütern sind oft frischer und günstiger als die Standardflaschen auf der Karte.
Folgen Sie der Straße bergauf in Richtung Galatasaray, gelangen Sie zur Solera Winery in der Yeni Çarşı Caddesi No: 44. Das Lokal ist schmal, unprätentiös eingerichtet und verzichtet auf formelle Etikette. An den zehn Holztischen wird es ab 19:30 Uhr regelmäßig voll, weshalb Gäste ohne Reservierung oft im Stehen auf der Straße auf einen freien Platz warten. Süleyman und sein Team öffnen täglich wechselnde Flaschen ab 300 TL (6 EUR) pro Glas, flankiert von einfachen Tellern mit getrocknetem Rindfleisch und Ziegenkäse.

Östlich der Ausgehmeile führt der Weg bergab in das Altbauviertel Cihangir, wo Lokale wie die Foyer Wine Bar den Schwerpunkt auf naturnahe Methoden legen. Hier dominieren maischevergorene Orange-Weine, unfiltrierte Abfüllungen und biodynamisch arbeitende Betriebe von den Ausläufern des Ida-Gebirges. Ein Glas Naturwein kostet in diesem Viertel zwischen 380 TL (7,60 EUR) und 550 TL (11 EUR). Wer nach den Weinproben ein traditionelles Abendessen einplant, findet nur fünf Gehminuten entfernt in den Seitengassen von Çukurcuma kleine Familienküchen für handgemachte Mantı in Istanbul mit Tipps für traditionelle Lokale und Preise.
- Kalecik Karası in der Sensus Wine Bar: Leichte Rotweinsorte aus Zentralanatolien mit ausgeprägter Himbeernote und geringem Tanningehalt.
- Öküzgözü-Boğazkere-Verschnitt in der Solera Winery: Klassische anatolische Cuvée, bei der die Säure des Öküzgözü die kräftige Tanninstruktur des Boğazkere ausbalanciert.
- Weißer Emir im Sensus Wine Bar: Mineralischer Weißwein aus vulkanischem Tuffsteinboden in Kappadokien, unberührt von Holzausbau serviert.
- Unfiltrierter Narince in der Foyer Wine Bar: Vollmundiger Tokat-Weißwein mit natürlicher Hefetrübung und Noten von reifer Quitte.
- Gekühlter Çalkarası in den Lokalen von Cihangir: Helle Rebsorte aus Denizli mit kräftiger Fruchtsäure, optimal temperiert bei zehn Grad Celsius.
Die meisten Weinbars in diesem Viertel öffnen wochentags ab 13:00 Uhr und schließen um 01:00 Uhr morgens.
Entspannte Weinspots auf der asiatischen Seite in Kadıköy und Moda
Die Überfahrt vom Karaköy Fähranleger nach Kadıköy dauert zwanzig Minuten und kostet mit der Istanbulkart 65 TL (1,30 EUR). Am späten Nachmittag lässt sich auf dem Außendeck der Fähre die Überfahrt vom Fährterminal Karaköy hinüber nach Kadıköy nutzen. Die Route führt am offenen Marmarameer vorbei, mit weitem Blick hinüber zum Mädchenturm am Bosporus, bevor das Schiff an den Kais von Kadıköy anlegt.
Vom Terminal aus führt der Weg direkt durch die Fußgängergassen im Kadıköy Çarşısı. Zwischen Fischhändlern und Gewürzständen zeigt sich das Viertel von seiner alltäglichen Seite. Wenn Sie eine traditionsreiche Weinbar in Kadıköy suchen, biegen Sie am oberen Ende des Marktes in die Damacı Sokak ein. Dort befindet sich das Viktor Levi Şarap Evi, gegründet im Jahr 1914 vom Fischer und Traubenhändler Viktor Levi auf der Insel Bozcaada und später nach Istanbul verlegt. Hinter dem unauffälligen Eingang öffnet sich ein hoher, dicht begrünter Innenhof. Viktor Levi füllt seine Weine bis heute unter eigenem Namen ab und nummeriert die Jahrgänge. Ein Glas des fruchtigen Rotweins No: 17 aus der heimischen Rebsorte Papazkarası kostet 270 TL (5,40 EUR), während gereifte Flaschenweine wie die Nummer 59 oder Verschnitte mit Boğazkere zwischen 1.200 TL und 1.650 TL (24 EUR bis 33 EUR) liegen. An Wochenenden füllt sich der Garten ab 19:00 Uhr schnell; reservieren Sie vorab telefonisch oder kommen Sie an Wochentagen bereits gegen 17:30 Uhr, um Wartezeiten am Einlass zu vermeiden.
Ein lehrreicher Fehler aus eigener Erfahrung bei Viktor Levi: An einem Samstagabend um 20:15 Uhr bestellte ich eine Flasche kräftigen Boğazkere für 1.350 TL und wählte dazu unbedacht eine scharfe Knoblauch-Haydari als Vorspeise. Der rohe Knoblauch überdeckte die feinen Beerenaromen des Weins völlig und hinterließ einen metallisch-bitteren Nachgeschmack. Erst als ich zwanzig Minuten später auf eine Schale gereiften Ezine-Schafskäse und gedünstete Auberginen umstieg, harmonierte das Zusammenspiel zwischen Säure und Tanninen wieder.
Praxistipp: Wenn im Innenhof von Viktor Levi kein Tisch frei ist, gehen Sie die Damacı Sokak wenige Schritte zurück zur Hauptachse. Drei Türen weiter schenken die Wirte an kleinen Holztischen denselben Wein ohne Wartezeit aus.
Weiter südlich markiert die Moda Caddesi das Zentrum des studentisch und bürgerlich geprägten Viertels Moda. An dieser Achse prägen kleine Weinlokale und Nachbarschaftsbistros das Bild. Hier konzentrieren sich die Lokale auf regionalen türkischen Wein: Fachgeschäfte in den Querstraßen verkaufen Flaschen kleiner Erzeuger aus Thrakien und der Ägäis zu Mitnahmepreisen ab 450 TL (9 EUR). In den benachbarten Bistros bestellen Gäste glasweise Sorten wie Kalecik Karası oder Narince für 260 TL bis 340 TL (5,20 EUR bis 6,80 EUR), wobei die Lokale werktags durchgehend bis 01:00 Uhr geöffnet bleiben.
Preise, Sondersteuern und Glaspreise realistisch kalkulieren
Die Sonderverbrauchssteuer ÖTV (Özel Tüketim Vergisi) treibt die Preise für alkoholische Getränke in der Türkei kontinuierlich nach oben. Dieser staatliche Aufschlag wird halbjährlich an die Erzeugerpreisinflation angepasst, weshalb Wein im direkten Vergleich zu Lebensmitteln oder alkoholfreien Heißgetränken teuer erscheint. Wer in Stadtteilen wie Beyoğlu oder Kadıköy einkehrt, sollte die Preisstrukturen der Weinkarten kennen, um das Budget für den Abend realistisch zu planen.
Ein einfaches Glas Hauswein kostet in den meisten Istanbuler Lokalen zwischen 250 und 350 TL (5 bis 7 EUR). Wenn Sie stattdessen sortenreine Weine aus autochthonen Rebsorten oder gehobene Einzellagen probieren möchten, beginnen die Glaspreise bei 400 TL (8 EUR) und erreichen bei seltenen Lagen schnell 550 TL (11 EUR).

Praxistipp: Wenn Sie zu zweit oder zu dritt unterwegs sind, bestellen Sie die ganze Flasche statt einzelner Gläser. Ein Einstiegswein schlägt glasweise oft mit 300 TL zu Buche, während dieselbe Flasche auf der Karte für 1.200 TL geführt wird; zudem stehen die interessanten autochthonen Boutique-Weine fast nie im offenen Ausschank.
Flaschenpreise im Restaurant starten für solide Qualitätsweine bei 1.200 TL (24 EUR). Für renommierte Erzeuger aus Thrakien oder der Ägäis zahlen Sie in der Regel zwischen 1.800 und 2.500 TL (36 bis 50 EUR). Zum Vergleich: Zwei Gläser Wein und ein kleiner Käseteller kosten in einer Bar in Moda oft mehr als ein vollständiges Abendessen in einer traditionellen Lokanta. Wer die Gesamtausgaben moderat halten möchte, isst vorab Istanbuls beste Street-Food-Spezialitäten und Snacks an den Straßenständen und nutzt die Weinbar gezielt für die Degustation. Auf der Abschlussrechnung ist die gesetzliche Mehrwertsteuer von 20 Prozent in den Menüpreisen bereits enthalten, während einige Bars in Beyoğlu einen Serviceaufschlag von 10 Prozent separat aufführen.
Weinbegleitung und kulinarische Kombinationen mit Meze und Käse
Türkische Weine verlangen nach Begleitern mit passendem Fett- und Salzgehalt, weshalb traditionelle anatolische Käsesorten die verlässlichste Grundlage für jede Verkostung bilden. Der monatelang gereifte Kars Gravyeri aus Kuhmilch bringt nussige Noten und feste Kristalle mit, die schwere Rotweine tragen. Aus der Ägäis stammt der geschützte Ezine Peyniri, ein cremiger, salzlaufender Schafskäse mit markanter Säure. Eine Besonderheit stellt der Divle Obruk dar: Dieser Schaf- und Ziegenkäse reift in Ziegenfellen in einer Karsthöhle nahe Karaman, wodurch er ein trockenes, erdiges Aroma entwickelt, das an Blauschimmel erinnert. Krümeliger Tulum Peyniri ergänzt dieses Spektrum mit pikanter Schärfe. Für eine zusammengestellte Käseplatte zahlen Sie in den Weinbars von Beyoğlu und Kadıköy üblicherweise zwischen 600 TL und 1.100 TL (12 EUR bis 22 EUR).

Bei warmen und kalten Meze entscheidet die Tanninstruktur des Weins über das Gelingen. Reinsortiger Boğazkere aus Südostanatolien besitzt massive Gerbstoffe und eine dichte Adstringenz. Er benötigt Meze mit spürbarem Schmelz oder Röstaromen, beispielsweise warme Auberginengerichte mit Walnüssen, geschmortes Lamm oder Waldpilze mit geschmolzenem Käse. Beliebt ist auch der Verschnitt mit der Rebsorte Öküzgözü, deren fruchtige Säure die Tannine des Boğazkere mildert. Für den feingliedrigen Kalecik Karası mit seinen Noten von Sauerkirschen und roten Beeren wählen Sie leichtere Begleiter: Zucchinipuffer ohne scharfe Dips, mild mariniertes Wurzelgemüse oder dünn aufgeschnittenen Rinderschinken.
Die klassische Zusammenstellung einer traditionellen Rakı-Meyhane lässt sich nicht eins zu eins auf türkischen Wein übertragen. Scharfe Knoblauchpasten wie Haydari oder mit Chilis versetzte Joghurt-Dips betäuben den Gaumen und lassen trockene Rotweine bitter oder metallisch wirken. Auch stark mit Essig marinierte Vorspeisen überdecken die Säurebalance weißer Rebsorten wie Narince oder Emir. Bestellen Sie stattdessen reine Olivenölgerichte, insbesondere Fava aus pürierten Saubohnen mit karamellisierten Zwiebeln oder schonend gegartes Artischockengemüse.
Praxistipp: Wenn Sie in Lokalen wie Solera in Beyoğlu oder Viktor Levi in Kadıköy bestellen, fragen Sie das Servicepersonal gezielt nach Meze ohne rohen Knoblauch. Auf Nachfrage serviert die Küche das Saubohnenpüree oft nur mit grobem Meersalz und naturbelassenem Olivenöl, was feine Nuancen roter Beeren im Glas ungestört lässt.
Eine Portion Saubohnenpüree oder warmes Gemüse liegt in den Stadtteillokalen bei 200 TL bis 350 TL (4 EUR bis 7 EUR).
Häufige Fragen zu Weinbars und Weinkauf in Istanbul
Die gesetzlichen Bestimmungen für den Ausschank und Verkauf von Alkohol trennen in der Türkei strikt zwischen Gastronomiebetrieben und dem Einzelhandel.
Bis wann dürfen Weinbars geöffnet sein und ausschenken?
Lokale mit einer regulären Schanklizenz dürfen Alkohol während ihrer gesamten Betriebszeiten servieren. In den Ausgehvierteln Beyoğlu und Kadıköy schließen die meisten Weinbars wochentags gegen 01:00 Uhr und am Wochenende gegen 02:00 Uhr. Das Verkaufsverbot für Flaschen nach 22:00 Uhr gilt ausschließlich für Geschäfte, nicht für den Ausschank im Lokal. Sie können also bis zur Schließung des Lokals regulär Wein am Tisch bestellen.
Welche Regeln gelten für den Weinkauf im Einzelhandel nach 22 Uhr?
Das türkische Gesetz verbietet den Verkauf von Alkohol im Einzelhandel zwischen 22:00 und 06:00 Uhr ausnahmslos. Supermärkte sperren ihre Weinregale pünktlich um 22:00 Uhr ab, und die Kassensysteme blockieren das Einscannen von Alkoholika automatisch. Kleine Tekel-Kioske riskieren bei Verstößen drakonische Geldstrafen oder den Lizenzverlust und verweigern den Verkauf nach dieser Uhrzeit ebenfalls. Flaschen für den privaten Konsum müssen Sie daher rechtzeitig vor 22:00 Uhr erwerben.
Doğas Praxistipp: Wer Flaschen für zu Hause kaufen möchte, sollte Tekel-Shops meiden, die ihre Weine direkt im sonnenbeschienenen Schaufenster lagern. Der Keller von Sensus oder spezialisierte Weinboutiquen in Kurtuluş lagern die Flaschen temperaturkontrolliert.
Wo kauft man Flaschenweine für die Mitnahme am besten?
Große Supermärkte führen vorwiegend industrielle Massenware bekannter Großerzeuger. Kioske lagern Flaschen häufig bei zu hohen Raumtemperaturen. Für Weine aus autochthonen Rebsorten kleiner Güter empfiehlt sich der Gang in Fachgeschäfte wie Dekante im Stadtteil Nişantaşı oder der Kauf direkt in Weinbars wie der Solera Winery. Viele Weinbars verkaufen ihre Flaschen für den Außer-Haus-Verzehr mit einem Nachlass von 20 bis 30 Prozent gegenüber dem Preis auf der Karte.
Welche Zollfreigrenzen gelten bei der Rückreise nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz?
Da die Türkei nicht Teil der Europäischen Union ist, gelten die Einreisebestimmungen für Drittstaaten. Bei der Rückkehr nach Deutschland und Österreich dürfen Reisende ab 17 Jahren bis zu vier Liter nichtschäumenden Wein abgabenfrei einführen. Für die Einreise in die Schweiz liegt die Freimenge bei insgesamt fünf Litern für alkoholische Getränke mit bis zu 18 Volumenprozent. Der Transport muss zwingend im aufgegebenen Gepäck erfolgen, da Flaschen im Handgepäck an der Sicherheitskontrolle abgenommen werden.
Fazit
Legen Sie diesen Weinabend auf den dritten Tag Ihrer Reise, wenn Sie die historischen Handelsviertel wie die Handelstradition und Architektur in den historischen Karawansereien von Eminönü mit Route und Kosten tagsüber besichtigt haben und den Takt der Stadt kennen. Die sinnvollste Verbindung führt über das Wasser: Starten Sie mit einem Glas Narince in den Gassen von Çukurcuma, gehen Sie zu Fuß hinunter zum Anleger Karaköy und nehmen Sie die reguläre Şehir-Hatları-Fähre nach Kadıköy. Die zwanzigminütige Überfahrt über den Bosporus teilt den Abend logistisch sauber in zwei Hälften und bringt Sie ohne Umwege zu den Weinbars auf der asiatischen Seite.
Einen Fehler mache ich dabei nicht mehr: internationale Rebsorten auf den Karten überhaupt anzusehen. Ein französischer Merlot kostet in Beyoğlu oft das Dreifache eines türkischen Weins, ohne mit der Qualität eines gut gekühlten Çalkarası aus Denizli mitzuhalten. Wenn Sie um 19:45 Uhr am Fähranleger Kadıköy ankommen und die Menschentrauben vor den Lokalen der Kadife Sokak sehen, biegen Sie direkt nach Süden in die ruhigere Damacı Sokak ab; dort bekommen Sie auch an einem Donnerstagabend ohne Reservierung einen Platz.



