In Istanbul gibt es geschätzt mehr als 3.000 Apotheken. Sie sind so alltäglich wie Bäckereien in Berlin – man läuft sie ständig vorbei, ohne sie wirklich zu bemerken. Sobald man aber eine braucht, lohnt es sich, das Erkennungszeichen zu kennen.
Das leuchtende rote „E“
Türkische Apotheken heißen Eczane (gesprochen: ek-tsa-ne). Sie sind an einem leuchtend roten, stilisierten „E“ auf weißem Grund erkennbar, das oft als beleuchtetes Schild über dem Eingang hängt. Tagsüber leuchtet das Schild dauerhaft, im Nachtdienst meist mit einem zusätzlichen blinkenden Hinweis. In den meisten Vierteln der Stadt sieht man von einer Straßenecke aus mindestens eine.
Zusätzlich steht auf der Schaufensterscheibe oder einem Schild meistens das Wort „Eczane“ in großen Buchstaben sowie der Name der Apotheke (zum Beispiel „Akın Eczanesi“). Wer das einmal gesehen hat, erkennt es überall in der Stadt sofort.
Öffnungszeiten und Nachtdienst
Reguläre Eczanen haben in der Regel Montag bis Samstag von etwa 9 bis 19 Uhr geöffnet. Sonntags ist der Großteil geschlossen.
Damit aber zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Apotheke erreichbar ist, gibt es das System der Nöbetçi Eczane – also Apotheken im Bereitschaftsdienst. Jede geschlossene Apotheke hat einen Aushang im Fenster, auf dem die nächstgelegene Notapotheke mit Adresse steht. Praktischer ist allerdings die App eczanem.org oder die Suche „nöbetçi eczane Istanbul + Stadtteil“ in Google Maps – das funktioniert auch ohne Türkischkenntnisse.
Was bekommt man rezeptfrei?
Türkische Apotheker sind hervorragend ausgebildet und beraten meistens direkt am Tresen, oft auch auf Englisch. Diese Mittel bekommt man ohne Rezept:
- Schmerzmittel (Paracetamol, Ibuprofen, Aspirin – verkauft unter Marken wie Parol, Nurofen, Aspirin)
- Husten- und Erkältungsmittel
- Mittel gegen Magenprobleme und Übelkeit
- Antiallergika und Heuschnupfenspray
- Sonnencreme, Pflaster, Verbandsmaterial
- Die Antibabypille
- Eine Besonderheit für europäische Reisende: Viagra und Cialis sind in der Türkei rezeptfrei zu haben
Was inzwischen rezeptpflichtig ist – und das ist eine wichtige Änderung gegenüber älteren Reiseführern:
- Antibiotika (seit der Reform brauchen sie ein ärztliches Rezept)
- Starke Schlaf- und Beruhigungsmittel
- Psychopharmaka
Wer ein chronisches Medikament nimmt, bringt am besten die Originalpackung aus Deutschland mit – die Apotheker finden den lokalen Wirkstoff meistens in zwei Minuten.
Beispielpreise (Frühjahr 2026)
- Schmerzmittel-Packung: 50–150 TL (1–3 EUR)
- Sonnencreme LSF 50: 350–600 TL (7–12 EUR)
- Pflasterstreifen: 60–120 TL
- Erkältungsspray: 200–400 TL
Die Preise sind staatlich reguliert und in praktisch jeder Eczane in der Stadt gleich – kein Touristenaufschlag, kein Verhandeln nötig.
Ein paar nützliche Sätze
- Ağrı kesici var mı? – Haben Sie ein Schmerzmittel?
- Reçetesiz mi? – Ist das rezeptfrei?
- İngilizce konuşuyor musunuz? – Sprechen Sie Englisch?
- Almanca konuşuyor musunuz? – Sprechen Sie Deutsch? (Funktioniert in Istanbul überraschend oft.)
Mehr Praxisinfos zu Apotheken, Supermärkten und kleinen Notfällen findet ihr in unserem ausführlichen Beitrag zu Apotheken und Supermärkten in Istanbul.